Nepal 2015

Am 25. April 2015 erschüttert das schwerste Erdbeben seit 80 Jahren das Land Nepal und hinterlässt über 8.000 Tote, mehr als 22.000 Verletze, Trümmer und Zerstörung. Viele Nachbeben folgen und verwandeln einen Teil des Landes in Chaos und Verzweiflung. Es mangelt an allem: Strom, Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, Zelten.
Das normale Leben, in dem ohnehin schon sehr armen Land, ist völlig aus den Fugen geraten und die Konfrontation mit Tod, Angst, Verletzung und Zerstörung ist für die Kinder gänzlich überfordernd. Ihnen sind deutliche Stressymptome anzumerken wie beispielsweise Schlafschwierigkeiten, Hyperaktivität, Konzentrationsschwierigkeiten oder Apathie. Erlebnisse wie ein solches Erdbeben, hinterlassen tiefe seelische Spuren und können zu Langzeitwirkungen wie Lernschwierigkeiten, Flash-Backs oder Gewaltbereitschaft führen.

Um den durch traumatische Erfahrungen ausgelösten Langzeitschäden entgegen zu wirken war stART international von Mai bis Oktober 2015 vor Ort.

Weiterführende Arbeit
2017 war stART zur Nachsorge und zur Trainingsarbeit wieder in Nepal. Sowohl in der Hauptstadt Kathmandu als auch auf dem Land fanden an insgesamt vier Schulen jeweils intensive mehrtägige Fortbildungseinheiten fuer Lehrer und Eltern zum Thema: die gesunde Entwicklung des Kindes im Alter zwischen 3 und 10 Jahren statt.
Für die harmonische Entwicklung des Kindes ist künstlerische Tätigkeit und freies Spielen von großer Bedeutung. Wenn jedoch, wie in Nepal so häufig der Fall, ca. 60 Kinder in einem 15 qm großen Raum eng an eng sitzen, gibt es kaum Spielraum für entsprechende Tätigkeiten. „Es ist schrecklich, wie zusammengepfercht die kleinen Kinder in den Räumen sitzen und sich kaum bewegen können“ sagt Irene, Expertin fuer Kleinkindpädagogik auf Grundlage der Waldorfpädagogik und Einsatzleiterin. “Gemeinsam mit den Lehrern haben wir Wege entwickelt, wie sie in einer solchen Situation sinnvollen Unterricht machen können.”
Durch die knappen finanziellen Mittel und da die Eltern arbeiten müssen werden die Kinder teilweise schon im Krabbelalter in die Schule geschickt. In den Schulen selber fehlt es häufig an Material wie Papier, Stifte, Bänke oder Tische. Auch haben die Lehrer meist keine pädagogische Ausbildung und keine geregelten Arbeitszeiten. Deshalb findet der Unterricht unregelmäßig statt und ist nicht auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Das Lernen besteht aus stumpfsinnigem Auswendiglernen – Dialoge, eigenständiges Denken oder Handeln hat keinen Raum.
Auch gibt es für LehrerInnen keinerlei Supervision oder ähnliches. Auf diesem Hintergrund wird das Angebot von stART dankend und als besonders hilfreich angenommen. In den Fortbildungen wird ein Bewusstsein für die altersgemässen Bedürfnisse des Kindes geweckt und mögliche pädagogische Methoden zur Förderung einer gesunden Entwicklung in den vorhandenen Lebens- und Schulsituationen erarbeitet. Fuer die meisten Lehrer eröffnet sich eine völlig neue Welt. Auch die Verbindung zur eigenen Kultur wird gefördert und ein Erlebnis der Selbstwirksamkeit gestärkt.

Nepal ist ein wunderschönes Land. Die Menschen sind freundlich und dem Nächsten zugewandt. Was fehlt, sind Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrer und ein Verständnis dafür, wie ein altersgemässes und gesundes Lernen aussehen kann.

Dass wir hier im Jahr 2017 helfen konnten, verdanken wir unter anderem der grosszügigen Spende des Gemeinderates der Gemeinde Gröbenzell. Hierfür sind wir sehr dankbar!

Nepal 2015

Since April 25, 2015 Nepal is one of the world´s poorest countries and was hit by the biggest natural catastrophy since 80 years. The disastrous earthquake measuring 7.8 on the Richter scale and its aftershocks, reaching in May 12 again 7.3 have turned parts of the country into places of total destruction, chaos and despair. Many buildings have been ruined, people have been killed and buried by rubble. There is shortage of everything: electricity, water, food, medical supplies and tents. The people are terrorized. Since May 12 many sleep again on the roads in fear of losing their lifes and the lifes of their children. The children live in this atmosphere and also have great fears. Typical stress symptoms are visible: Paleness, troubled sleep, concentration problems, apathy or hyper-acitivity etc.. The normal life of children has turned upside down. If this is not taken care of it can cause long-term damages such as continuous learning difficulties, flashbacks and more.

Therefore stART international was active in Nepal since the beginning of May and meanwhile has taken care of 8 school communities with a total of more than 4.500 children and more than 100 teachers with emergency pedagogy and trauma therapy.