Lesbos

 

Ein Olivenhain erzählt. Ein Artikel über unsere Arbeit in Lesbos in a-tempo

 

DIE AKTUELLE LAGE UND GEPLANTE EINSÄTZE

Foto: Wolfgang Schmidt Ammerbuch

Griechenland, Lesbos, Oktober 2019, wir befinden uns in Europa. 

Das Lager Moria, eines der größten Lager für Geflüchtete in Europa, ist völlig überfüllt. Über 10.000 Menschen leben hier in einem Lager, dass für 3.000 Menschen gedacht war. Dicht reiht sich Zelt an Zelt. Die Lage ist angespannt, die hygienischen Bedingungen katastrophal; es riecht übel und ist dreckig, die sanitären Anlagen reichen für die vielen Menschen bei weitem nicht aus. Jeden Tag kommen weitere Boote an und unter den ankommenden Menschen befinden sich viele Kinder und Jugendliche. Keiner  weiß, wann und ob es weitergeht; es herrscht Perspektivlosigkeit.

Seit beginn dieses Jahres ist stART international in Lesbos tätig und unterstützt mit psychosozialer und traumatherapeutischer Betreuung und Weiterbildung Kinder und ihre Familien.

Seither ist die Zahl der Kinder massiv gestiegen, ebenso die allgemeine Anspannung. Schlägereien sind an der Tagesordnung, sexuelle Gewalt keine Seltenheit und inmitten dieser Tragik befinden sich hunderte von Kindern, die Schutz bedürfen.

Im Oktober arbeiteten wir bereits mit 100 Kindern und unser Einsatz zeigte deutlich, dass eine Erweiterung unserer Arbeit dringend notwendig ist. Dringend braucht es hier zunehmende Unterstützung. Insbesondere jetzt, da die kalte Jahreszeit beginnt.

Auch die vielen ehrenamtlichen HelferInnen kommen zunehmend an ihre Grenzen, auch sie brauchen Unterstützung. Oft haben sie nicht die Werkzeuge, um mit der aktuellen Lage umgehen zu können.

So sind sowohl der Ausbau der direkten Arbeit mit Kindern und ihren Familien, als auch Fortbildungen für die lokalen HelferInnen geplant.

Um alle Aktivitäten entsprechend umsetzen zu können, sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen!

 

 

August 2019

Foto: Wolfgang Schmidt Ammerbuch

vom 17.08.-31.08. fand der dritte Einsatz mit einem 4-Köpfigen Team statt. Wir führten sowohl die begonnene Arbeit im großen Camp Moria, als auch im nebenan gelegenen Camp Olive Grove, fort.

Im Camp Moria waren wir in erster Linie in der Sicherheitszone für besonders bedürftige Menschen wie beispielsweise unbegleitete Minderjährige oder schwangere Frauen, tätig. Künstlerisch-pädagogisch und insbesondere Traumatherapeutisch arbeiteten wir direkt mit den Kindern, Jugendliche und Frauen.

 

 

 

 

2. Einsatz: Fortführung und Vertiefung

Vom 9.-19. April 2019 folgte dann der zweite Einsatz. Dieses Mal 

mit einem dreiköpfigen Team bestehend aus einer Kunsttherapeutin, einem Erzieher und einem Lehrer.

In Kooperation mit anderen internationalen Organisationen, die bereits in Lesbos arbeiten, wird die Arbeit fortgeführt und vertieft. Ein Container, ein Raum, ein Ort unter Olivenbäumen – die verschiedensten Plätze werden zu Child Friendly Spaces für künstlerische Aktivitäten. Jonglieren, Malen, gemeinsames Musizieren, all dies hilft schwierige Lebenserfahrungen, die die Kinder belasten, zum Ausdruck zu bringen und zu verarbeiten.  Um die Schutzfunktion der Familie zu stärken, beziehen wir möglichst auch Mütter und Väter in die Arbeit mit ein. Und wieder ist schnell erlebbar, dass der künstlerische Ansatz die Menschen erreicht, dass es möglich ist wieder ein Leuchten in den Gesichtern zu sehen und dass es den Kindern und ihren Eltern gut tut sich künstlerisch zu betätigen.

 

 

1. Einsatz

Unsere Arbeit in Lesbos begann Weihnachten/Silvester 2018/2019, als ein kleines Team das erste Mal in das Camp Moria reiste, um dort mit geflüchteten Kindern und ihren Familien zu arbeiten.  Hier leben knapp 9000 Menschen, ausgelegt ist es jedoch nur für ca. 3000 Menschen. Das Camp ist umzäunt und abgesichert, die Lebensbedingungen sind katastrophal: Gewalt,  schlechte hygienische Bedingungen und Krankheiten sind an der Tagesordnung, viele Menschen sind stark traumatisiert. Laut BBC gibt es sogar Fälle von 10 jährigen Kindern, die versuchen sich das Leben zu nehmen.  Außerhalb des Hauptlagers befindet sich ein improvisiertes Zeltlager, Olive Grove genannt, hier leben etwa 800 Menschen, die in Moria keinen Platz mehr fanden.

Foto: Wolfgang Schmidt Ammerbuch

Die meisten geflüchteten Menschen stammen aus Afghanistan und aus verschiedenen afrikanischen Ländern und haben einen gefährlichen Weg auf sich genommen, um es bis hierher zu schaffen. Sie bringen Erfahrungen der Flucht und der Folter mit, Angehörige sind gestorben, sie selbst haben überlebt und befinden sich nun in äußerst prekären Lebenssituationen wieder. Hier sind die Menschen nun seit einem halben Jahr, seit einem Jahr, seit zwei oder sogar drei Jahren. Das Lager ist improvisiert und eigentlich nur als kurzfristiges Übergangslager ausgelegt, es ist kalt und teilweise friert es. 

Mit Schnüren und Tüchern begann unser Team einen Mobile Child Friendly Space zu kreieren, einen Ort der Schutz und Sicherheit bietet und der durch künstlerische Aktivitäten belebt wird:

Malen, Singen, Bewegungsspiele, Rhythmus, Puppentheater und Spiel allgemein, all diese Aktivitäten unterstützen auf kindgerechte Weise den Umgang mit Verlust und Trauer und stärken die Resilienz der Kinder. Schnell zieht es die Kinder und teilweise sogar deren Eltern an. Von Tag zu Tag werden sie geschickter und können in den künstlerischen Angeboten den eigenen Zugang  zu ihrer Kreativität immer mehr öffnen.